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BEGLEITUNG ÄLTERER MENSCHEN IN KRISEN

Die Menschen werden immer älter. Mit steigender Lebenserwartung wächst das Risiko von Erkrankungen, die nicht nur den Körper, sondern auch die Seele betreffen. Depressionen oder Demenzen gehören heute zu den häufigsten Alterserkrankungen weltweit. Die Gerontopsychiatrie kümmert sich speziell um psychische Erkrankungen bei Menschen im höheren Alter. Etwa fünf Prozent der über 65-Jährigen in Deutschland leiden unter behandlungsbedürftigen Depressionen. Rund eine Million Menschen sind von einer Demenz-Erkrankung, die meisten leiden unter der Alzheimerkrankheit, betroffen.

Die Ursachen der Erkrankungen sind vielfältig, der Abschied vom Berufsleben, der Verlust nahestehender Personen, körperliche Erkrankungen, Störungen von Merkfähigkeit und Gedächtnis führen zu Krisen, in denen die Menschen oft depressiv, ängstlich und verwirrt reagieren. Die Gerontopsychiatrie stellt sich auf diese Besonderheiten ein. In der gesamten Behandlung werden individuelle Wege gesucht, die Krisen zu meistern. 

Berücksichtigt werden von der Gerontopsychiatrie vor allem die im Alter veränderten Bedürfnisse, Belastbarkeiten und Lebensperspektiven ebenso wie die vielfach vorhandenen körperlichen Krankheiten. Behandlung und Pflege sind ganzheitlich ausgerichtet und umfassen psychische, körperliche und soziale Aspekte. Hierzu gehört auch die Einbeziehung der Angehörigen sowie die Zusammenarbeit mit ambulanten und stationären Einrichtungen der Altenhilfe. Ziel ist es, die Gesundheit der Betroffenen zu fördern und Fähigkeiten, die durch eine Erkrankung beeinträchtigt sind, teilweise oder ganz wiederherzustellen.

Die Diagnostik, Behandlung, Therapie, Versorgung und Beratung werden durch ein multiprofessionelles Team aus Ärzten, Gesundheits- und Krankenpflegern, Ergotherapeuten, Sozialarbeitern, Psychologen und Physiotherapeuten sichergestellt. Zur Behandlung gehören beispielsweise Ergotherapie, Krankengymnastik und physikalische Maßnahmen,  mit denen alte und neue Fähigkeiten gefördert, erhalten und wieder hergestellt werden sollen.

Altersdepression

Altersdepression ist die häufigste psychische Erkrankung im Alter. Bis zum 65. Lebensjahr erkranken statistisch gesehen  jede vierte Frau und jeder achte Mann an einer klinisch relevanten Depression.

Häufig wird eine niedergedrückte Stimmung und Zurückgezogenheit bei alten Menschen als normal angesehen. Dabei ist eine Altersdepression immer eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung, die unbedingt fachgerecht behandelt werden muss. Die meisten Betroffenen gehen nicht wegen ihrer Depression zum Arzt, sondern suchen ihren Hausarzt wegen anderer Symptome wie Kopf- und Gliederschmerzen, Schlaf-, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit oder auch Unruhe und Gewichtsverlust auf. Untersuchungen belegen, dass nur bei etwa 10 - 20% der Betroffenen eine Altersdepression diagnostiziert wird.

Die Soziotherapie ist ein wichtiger Bestandteil in der Therapie der Altersdepression. Isolation, Einsamkeit und Rückzug des Einzelnen sollen durchbrochen und Kontakte und zwischenmenschliche Beziehungen verbessert werden. Die eigene Leistung und Initiative wird gefördert. Dabei ist besonders die gruppentherapeutische Betreuung sehr wichtig, denn sie reduziert eine mögliche Selbstmordgefährdung. Soziale Kontakte werden fast automatisch hergestellt. Beschäftigung ist für alte Menschen sehr wichtig. Fähigkeiten und Fertigkeiten, wie sie in der Ergotherapie vermittelt werden, psychomotorische Fähigkeiten, Gedächtnistraining, Konzentration, Phantasie, Kreativität, Umgang mit Materialien, Ausbau von Alltagsfähigkeiten fördern die Lebensfreude und das Selbstwertgefühl.

Demenz/Alzheimer-Krankheit

Im alltäglichen Sprachgebrauch werden die Begriffe Demenz und Alzheimer meist gleichbedeutend verwandt. Dabei ist die Alzheimer-Krankheit mit rund zwei Drittel aller Fälle die häufigste Demenzform. Unter dem Begriff „Demenz“ werden über 50 Krankheiten zusammengefasst, bei denen die Gehirnleistung abbaut.  Sie unterscheiden sich in Ursache, Symptomen und Verlauf von der Alzheimer-Krankheit. Es gibt zwar Möglichkeiten, die Krankheit und ihre Folgeerscheinungen zu behandeln und die Risikofaktoren durch Bewegung, geistige Fitness, soziale Kontakte und ausgewogene Ernährung zu senken, aber heilbar ist sie - noch - nicht. Menschen mit Alzheimer bemerken oftmals eine zunehmende Vergesslichkeit, die sich auf den Alltag mehr und mehr auswirkt. Auch Probleme mit der Orientierung, der Sprache und der Wahrnehmung können auf Morbus Alzheimer hindeuten.

Mithilfe unterschiedlicher Tests und einem ausführlichen Arztgespräch wird der Patient körperlich und neurologisch untersucht und Laborwerte, wie Blut und Urin, werden überprüft. Zur Diagnostik beitragen können außerdem bildgebende Verfahren sowie eine Untersuchung des Nervenwassers, des sogenannten Liquors.