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Borderline Persönlichkeitsstörung

Krankheitsbild der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Borderline-Patienten leiden unter Störungen der Affektregulation, sie sind unfähig, ihre inneren gefühlsmäßigen Zustände zu kontrollieren. Dabei dominieren äußerst unangenehme Spannungszustände, die zuweilen als unerträglich empfunden werden. Um diesen Zustand zu verändern, entwickeln Borderline-Patienten bestimmte Strategien, wie Selbstverletzungen. Doch auch Drogenkonsum oder andere gefährliche Verhaltensweisen wie beispielsweise balancieren auf Brückengeländern oder rasen auf der Autobahn werden als Methoden zum Spannungsabbau eingesetzt.  Die Formen der Selbstverletzung sind klar von Suizidversuchen zu unterscheiden. Ein Suizidversuch wird mit der gezielten Absicht durchgeführt, dem Leben ein Ende zu setzen, während die Selbstverletzung der Spannungsminderung und Selbstregulation dient.

Die intensive Anspannung hat eine stress-abhängige Reaktion zufolge, die dazu führen kann, dass sich die Wahrnehmung des eigenen Körpers verzerrt oder gar auflöst. Dieser Zustand wird auch als „Dissoziation“ bezeichnet. Der Körper empfindet keine Schmerzen mehr, manche Betroffene sehen sich wie im Nebel, Geräusche klingen gedämpft und manchmal sind Betroffene nicht mehr in der Lage, sich zu bewegen oder zu sprechen. Es können auch optische oder akustische Hallunzinationen auftreten. Den Borderline-Patienten selbst ist meistens bewusst, dass es diese Stimmen oder Erscheinungen in der Realität nicht gibt und sie vermeiden es, Außenstehenden über diese so genannten „Pseudohalluzinationen“ zu berichten.

Neben den Spannungszuständen verspüren Borderline-Patienten auch intensive aversive Emotionen wie Schuld, Scham, Ohnmacht und Selbstverachtung. Diese Gefühlswelt beeinflusst die zwischenmenschliche Interaktion und beeinträchtigt ihr Beziehungsleben. Die großen Schwankungen im Selbstwertgefühl erschweren eine zufriedenstellende Beziehung. Die Angst vor dem Verlassenwerden ist ein zentraler Aspekt der Erkrankung und kann ein existentielles Ausmaß annehmen. Häufig besteht eine Ambivalenz,  ein Nebeneinander von Sehnsucht nach Geborgenheit und Zuwendung und stark ausgeprägter Angst vor eben dieser sozialen Nähe. Die ständigen scheinbaren Unsicherheiten im zwischenmenschlichen Bereich führen wiederum zu Spannungszuständen. So erhält sich ein fortlaufender Kreislauf. Ein Ausbrechen ist für die Betroffenen selten möglich. Oft scheitern partnerschaftliche Beziehungen, weil der gesunde Partner mit den Gefühls-, Stimmungs- und Selbstwertschwankungen des Borderline-Patienten nicht zurechtkommt, aber auch zwischenmenschliche Probleme am Arbeitsplatz wirken sich negativ auf die soziale Funktionsfähigkeit aus.

Patienten mit Borderline  werden in der Regel zunächst für drei bis  zehn Tagen in einer Krisenintervention behandelt. Oft befinden sie sich bei ihrer Aufnahme in einer akuten Lebenskrise und unter konkretem suizidalen Handlungsdruck.

Das vorrangige Ziel der Akut-Behandlung ist die psychische Stabilisierung durch Abbau von emotionalem Stress. Die Auslöser der Krise werden in Gesprächen identifiziert und analysiert, aber nur im Hier und Jetzt behandelt. Längerfristige und intensive therapeutische Kontakte werden vermieden, so dass die Patienten nach einem kurzen „Time-Out“ wieder in ihr ursprüngliches Behandlungssetting (soweit vorhanden) entlassen werden können. Falls dies nicht vorhanden ist, helfen wir beim Erstellen eines solchen tragfähigen Behandlungsrahmens.

Die Kontaktaufnahme mit den vorbehandelnden ambulanten Ärzten, Psychotherapeuten oder komplementären Diensten ist erforderlich, um eine baldige Entlassung und Rückkehr in den Alltag zu ermöglichen. Als Therapieangebote finden Gespräche mit den behandelnden Therapeuten (Arzt bzw. Psychologen) und der Bezugspflege statt. Darüber hinaus bieten wir zahlreiche Therapieformen wie Ergo- oder Kunsttherapie an.

Therapeutisches Angebot

Krisenintervention

Für Patienten, die (noch) in keinem ambulanten Setting eingebunden sind, sollte nach einer genauen diagnostischen Abklärung (um welche Persönlichkeitsstörung / welches Strukturniveau, um welche Krise handelt es sich?) eine adäquate weiterführende Therapie (stationär oder ambulant) geplant werden. In speziellen Fällen, die individuell mit dem jeweiligen Stationsteam abgesprochen werden, sind auch länger andauernde stationäre Aufenthalte möglich.

Stationär

Die Aufenthaltsdauer von Patienten, die fest in einem therapeutischen Setting (ambulant oder stationär) eingebunden sind und von dort zur Krisenintervention kommen, sollte zehn Tage nicht überschreiten. In der Regel handelt es sich um sehr kurze Aufenthalte zur Spannungsreduktion und Akutintervention bei Suizidalität oder nicht mehr zu kontrollierendem selbstschädigendem Verhalten (dazu kann auch eine Entgiftung zählen). Dass es sich um eine kurze Krisenmaßnahme handelt, wird den Patienten bereits bei Aufnahme mitgeteilt, ebenso, dass in jedem Fall eine Rückverlegung bzw. Rückkehr in das bereits bestehende therapeutische Setting stattfinden wird. Sinnvoll ist in jedem Fall eine klare Absprache mit den einweisenden Therapeuten. 

Wir führen allerdings keine prophylaktische Krisenintervention durch, d.h. es kann mehrmals hintereinander in kurzen Zeiträumen zu Krisen und notwendigen Kriseninterventionen kommen (Aufnahme-Entlassung-Aufnahme-Entlassung...), die jedoch nicht in einer Art akutpsychiatrischer Krisenprophylaxe enden soll, da dadurch das bestehende Therapiesetting gefährdet wird!

Ambulant

Individuell vereinbarte Psychotherapie und/oder Teilnahme an allen ambulanten Therapieangeboten der Klinik.