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Spezielle Behandlungsformen

Es gibt einige spezielle somatische Behandlungsformen, die in den kbo-Lech-Mangfall-Klinken zur Anwendung kommen.

Bei der Schlafentzugsbehandlung gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie den totalen Schlafentzug, den partiellen Schlafentzug, die Vorverschiebung vom Schlaf-Wachrhythmus um sechs Stunden und den selektiven Entzug des REM-Schlafes. 

Am häufigsten wird der partielle Schlafentzug angewandt: Der Patient wird, nachdem er zum Beispiel um 21:00 Uhr ins Bett gegangen ist, um 01:30 Uhr wieder geweckt und bleibt die ganze Nacht und am folgenden Tag auf. Das Wachbleiben muss konsequent durchgehalten werden, da selbst kurzes Einnicken den Therapieerfolg gefährdet.

Die Erkenntnis, dass ein Schlafentzug beim Gesunden zu den bekannten Einbußen, bei einem Patienten mit Depressionen aber zu einer überraschenden, wenngleich zeitlich begrenzten, Besserung führen kann, ist alt. Man hat durch experimentelle Studien herausgefunden, dass sich bei vielen Patienten mit Depressionen mit überwiegend körperlichem Beschwerdebild durch Schlafentzug folgende Symptome günstig beeinflussen lassen: 

  • depressive Herabgestimmtheit
  • psychomotorische Hemmung oder Unruhe
  • innere Spannung
  • Getriebenheit
  • Angstzustände 

Menschen mit Depressionen leiden in der regel unter Energielosigkeit und einem reduzierten Wohlbefinden. Die Stimmung ist gedrückt, es fällt schwer, Freude zu empfinden. Oft kommen Schlafstörungen hinzu, so dass die allgemeine Leistungsbereitschaft vermindert ist. Hier setzt die Lichttherapie an.

Bei welcher Art von Depression wirkt die Lichttherapie besonders gut?

Die Lichttherapie wirkt besonders gut bei der saisonal bedingten Winter-Depression, hilft aber auch bei allen anderen Formen der Depression. Die Therapie mit Licht kann depressive Symptome teilweise oder vollständig beseitigen und trägt dazu bei, das Energie- und Leistungsniveau aus gesunden Tagen wieder herzustellen. Bei schwerer Erkrankung ergänzt die Lichttherapie die Psychotherapie bzw. die Behandlung mit Antidepressiva.

Wie wirkt die Lichttherapie?

Melatonin - ein Botenstoff im Gehirn - steuert maßgeblich den Tag-Nacht-Rhythmus des menschlichen Körpers. Weil im Winter das Tageslicht reduziert ist, bleibt der Melatoninspiegel tagsüber erhöht. Müdigkeit, Schlafstörungen und auch saisonale Depressionen können als Folge auftreten. Früh am Morgen angewandt, senkt die Lichttherapie den Melatonin-Spiegel und gibt Ihrer inneren Uhr gleichsam das Startsignal in den Tag. Bereits nach ein, zwei Wochen kann sich Ihre Stimmung merklich aufhellen.

Wie wird die Lichttherapie angewandt?

  • sie wird vom Arzt normalerweise über mehrere Wochen verordnet
  • sie sollte täglich, am besten früh morgens, durchgeführt werden 

Und so geht´s:

  • schalten Sie das Gerät ein.
  • setzen Sie sich bequem hin
  • verbringen Sie etwa 30-45 Minuten (pro Sitzung) unter der Lampe
  • Sie können dabei lesen, fernsehen etc.
  • Sie müssen nicht die gesamte Zeit direkt ins Licht schauen, einmal pro Minute reicht
  • das Licht erreicht die Netzhaut auch durch geschlossene Augenlider

 

Fotoquelle:©RFBSIP/stock.adobe.com

Die Begeisterung für die transkranielle Magnetstimulation hat wohl einiges mit dem Mythos des Magnetismus zu tun, einige neuere Forschungen haben aber auch einen durchaus respektablen Behandlungerfolg nachgewiesen. 

Mittels starker Magnetfelder werden im Gehirn berührungsfrei und ohne Elektrodenkontakt Ströme erzeugt, die die Hirnaktivität regional verändern, stimulieren oder auch vorübergehend ausschalten. Ende 1994  wurden die Effekte von rTMS an gesunden und depressiven Personen erstmals getestet.  Es wurden erstaunliche Effekte auf die Psyche der Probanden festgestellt. Psychologische Tests und Interviews brachten zutage, dass die Stimulation der rechten vorderen Hirnhälfte zu einem positiven Stimmungswandel geführt hatte, während die linksseitige Stimulation eine Form von Traurigkeit hervorrief. 

Ganz anders reagierten einige depressive Patienten auf die gleiche linksseitige Stimulation: ihre Stimmung wurde deutlich besser. Dies ist nur auf den ersten Blick paradox. Wenn man Depression nicht als eine ins Unermessliche gesteigerte Traurigkeit, sondern eher als eine gewisse emotionale Stumpfheit, ein "Nichts-Fühlen", begreift., erweckt die rTMS  verstummte Hirnzentren zu neuem Leben und lindert so die Depression. Doch worauf auch immer die elektromagnetische Psychomodulation beruhen mag – sie scheint tatsächlich zu funktionieren, wie weitere Versuche weltweit belegen. Der antidepressive Effekt hält Tage bis Wochen nach der Stimulation an, dann kann die Depression wiederkehren oder auch für immer verschwunden sein.

In fast allen Kulturen des Altertums bediente man sich der Wirkung von Pflanzenaromen. Man entwickelte spezielle Auszugsverfahren, um aus Harzen, Blüten und ganzen Pflanzen Essenzen zu gewinnen, aus denen man dann unter anderem Parfümöle herstellte. 1928 begann der französische Chemiker René Gattefossé seine Experimente mit Düften in Kosmetika und Parfüms Seine Erkenntnisse hinsichtlich der Heilwirkungen vieler Pflanzenessenzen fasste er unter dem Begriff "Aromatherapie" zusammen.

Die Aromatherapie setzt natürliche Duftstoffe zur Vorbeugung und Linderung oder Heilung von Krankheiten ein. Man geht dabei davon aus, dass den einzelnen Pflanzen ein Energiepotential innewohnt, das der Mensch durch den typischen Duft aufnehmen kann. Dieses Energiepotential aktiviert die natürliche Selbstheilungskraft des Körpers, es bringt Körper und Seele ins Gleichgewicht und steigert das allgemeine Wohlbefinden. 

Die Aromatherapie setzt die ätherischen Öle im Aromabad, in der Duftlampe, zur Einnahme, zur Inhalation und in Massage- und Körperöl ein. Die Aromatherapie ist kaum wissenschaftlich belegt, aber weil die ätherischen Öle keine Arzneimittel im eigentlichen Sinne sind und somit auch nicht verschreibungspflichtig, kann jeder selbst ein wenig damit experimentieren.

Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch sind keine Nebenwirkungen zu erwarten. Besonders in der Schwangerschaft sollten ätherische Öle allerdings vorsichtig verwendet werden. Aromatherapeuten setzen ätherische Öle häufig bei eher psychosomatischen Beschwerden wie Nervosität, Erregtheit und Schlafstörungen ein. Die  Heilwirkungen der Aromatherapie beruhen auf erfahrungswerten und sind wissenschaftlich nicht.belegt,

 

Fotoquelle: ©kbo-Lech-Mangfall-Kliniken gGmbH

Was ist Ketamin?

Ketamin ist ein seit Jahrzehnten bekanntes Narkosemittel, mit dem man Kurznarkosen für kleinere operative Eingriffe oder in der Notfallmedizin macht. Seit einigen Jahren wird Ketamin sehr erfolgreich in der Behandlung von Depressionen eingesetzt. Selbst therapieresistente Depressionen und postpartale Depressionen können mit Ketamin behandelt werden. Auch bei Posttraumatischen Belastungsstörungen Zwangsstörungen. Wir haben uns auf eine weltweit einzigartige Kombination von Ketamintherapie mit anderen Therapien spezialisiert und erzielen so langfristige Erfolge.

Bei welchen Krankheitsbildern wirkt Ketamintherapie?

Ketamin ist ein seit Jahrzehnten bekanntes Narkosemittel, mit dem man Kurznarkosen für kleinere operative Eingriffe oder in der Notfallmedizin macht. Es wird nicht nur zur Behandlung von Depressionen eingesetzt, sondern auch bei  Posttraumatischen Belastungsstörungen und Zwangsstörungen.

Ketamininfusion bei Depression

Die Anwendung von Ketamnin bei Depressionen ist am bekanntesten. Dabei ist es nicht von Bedeutung, ob es sich um sogenannte endogene oder um reaktive Depressionen handelt. Auch bei manisch-depressiven Erkrankungen kann Ketamin während der depressiven Phase eigesetzt werden. In Verbindung mit  rTMS und Psychotherapie erreicht man bei 80 bis 90% der Patienten eine Besserung.

Ketamininfusion bei chronischen Schmerzen

Ketamin wirkt sich auch positiv auf chronische Schmerzen aus. Viele Patienten mit chronischen Schmerzen sind gleichzeitig auch depressiv. Besonders Patienten mit Fibromyalgie profitieren von der Behandlung. Sowohl Hypnose als auch rTMS werden ebenfalls in der Schmerztherapie eingesetzt. Die Verfahren ergänzen sich hervorragend.

Ketamininfusion bei  Zwängen

Zwänge, wie zum Beispiel Zwangshandlungen oder Zwangsgedanken, bessern sich meist deutlich unter Ketamin. Gerade hierbei ist die Kombination mit Hypnose und Psychotherapie wichtig. Je nach Art des Zwanges kommt hier auch eine Kombination mit Expositionstraining in virtueller Realität in Frage.

Ketamininfusion bei Posttraumatischen Belastungsstörungen

Unter bestimmten Voraussetzungen können auch Posttraumatische Belastungsstörungen von einer Ketamintherapie profitieren. Hier ist aber grundsätzlich die Einbindung in ein psychotherapeutisches Setting erforderlich. Wir kombinieren die Infusionstherapie mit EMDR, einem dafür speziell entwickelten Psychotherapieverfahren, zusätzlich ggf. noch mit Hypnose, Neurofeedback, rTMS und Expositionstraining in virtueller Realität.

Ketamininfusion bei Suchterkrankungen

Im Zusammenhang mit Suchterkrankungen lässt sich durch eine Behandlung mit Ketamininfusionen in Kombination mit Verhaltenstherapie und/oder Hypnose das Suchtgedächtnis überschreiben. Neueste Untersuchungen bestätigen das besonders für die Behandlung von Alkoholabhängigkeit. Eine Anwendung kann aber auch bei anderem Substanzmissbrauch, wie bei Kokain, sowie bei nicht stofflichen Suchterkrankungen wie Spielsucht indiziert sein, immer in Kombination mit Psychotherapie und ggf. zusätzlich rTMS.

Ketamininfusion bei Essstörungen

In bestimmten Fällen sind auch Anwendungen bei Essstörungen möglich. Auch hier ist eine Kombination mit Psychotherapie unabdingbare Voraussetzung.

Für wen ist eine Behandlung mit Ketamin nicht geeignet?

Ketamin ist gut verträglich. Trotzdem gibt es bestimmte Erkrankungen, die die Anwendung einschränken:

  • Patienten, die im Rahmen einer Psychose unter Halluzinationen leiden, dürfen nicht mit Ketamin behandelt werden, da die psychotischen Symptome verstärkt werden können.
  • Ketamin führt zu einem leichten Anstieg des Blutdruckes und des Augeninnendruckes. Deshalb müssen Patienten mit hohem Blutdruck oder grünem Star zunächst auf normale oder allenfalls leicht erhöhte Druckwerte eingestellt werden.
  • Patienten mit koronarer Herzkrankheit sollten ebenfalls von der Behandlung absehen. Bei leichteren Formen der KHK kann nach Rücksprache mit dem behandelnden Internisten oder Kardiologen eine Ketamininfusionstherapie unter besonderer Überwachung erfolgen

Wie läuft eine Ketamintherapie ab?

Der Ablauf der Ketamnitherapie wird auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Patienten abgestimmt. Welche ergänzenden Therapien mit der Ketamintherapie kombiniert werden liegt am Krankheitsbild und am Zustand des Patienten.

Welche Wirkung hat Ketamin?

Ketamin verbessert die Neuroplastizität, das heisst, das Gehirn wird leistungsfähiger, neue neuronale Verbindungen können entstehen. 

Ketamin wirkt im Gegensatz zu anderen Antidepressiva sofort. Der Effekt tritt meist bereits während der ersten Infusion auf und erzielt gewöhnlich sein Maximum am folgenden Tag. Allerdings hält die Wirkung unterschiedlich lang an: Manchmal nur wenige Tage, oft Wochen, in seltenen Fällen sogar Monate oder Jahre. Deshalb sind meist mehrere Infusionen erforderlich oder – noch besser – die Kombination mit anderen Verfahren, wie Psychotherapie, Hypnose oder Magnetstimulation. Gerade bei Menschen, die viele vergebliche Therapieversuche mit unterschiedlichsten Antidepressiva hatten, kann Ketamin einen Durchbruch bringen. Besonders Suizidgedanken verschwinden. Ketamin ist derzeit die einzig bekannte antisuizidale Substanz.

Die Wirkungsweise von Ketamin gegen Depressionen und Suizidgedanken ist noch nicht vollständig geklärt. Ketamin wirkt am NMDA Rezeptor. Die Wirkung hält aber sehr viel länger an als die Substanz im Körper verweilt. Nach wenigen Stunden ist sie bereits ausgeschieden. Man spricht dabei von einem “hit and go” Effekt. Im übertragenen Sinn wird eine Tür aufgestoßen, die dann mit etwas Glück offen bleibt, manchmal aber auch langsam wieder zu geht.

Ablauf einer Ketamintherapie 

Eine Therapie beginnt bei uns immer mit einem ausführlichen Vorgespräch. Dabei machen wir uns ein Bild von Ihrer persönlichen Situation. Wichtig sind auch die Ergebnisse von bisherigen Behandlungsversuchen, Ihre Medikamenteneinnahme und eventuell bestehende oder durchgemachte Erkrankungen.

Die ausführliche Anamnese wird ergänzt durch eine psychologische Testdiagnostik und ein quantitatives EEG, welches Hinweise auf die Hirnfunktion gibt. Zusätzlich erfolgt eine ärztliche Untersuchung mit Blutdruckmessung, eventuell auch EKG und HRV-Messung. 

Wenn Sie Vorbefunde haben bringen Sie diese bitte mit. Wir vermeiden damit Doppeluntersuchungen.

Biofeedback ist ein bildgebendes Verfahren, das den Patienten mittels Sensoren eigene, zumeist unbewusste Körpersignale, die aufgrund von Stress, Ängsten oder Schmerzen entstanden sind, zurückmeldet (Rückmeldung = engl. Feedback). Eingesetzt wird das Biofeedback bei psychischen, psychosomatischen und körperlichen Erkrankungen. An einen Computer angeschlossene Sensoren messen die Hautleitfähigkeit und -temperatur, die Atmungs- und Herzfrequenz, das Pulsvolumen, die Muskel- und Gefäßanspannung sowie eventuell auch Gehirnströme und setzen diese in optisch ahrnehmbare Signale um. So kann der Patient körpereigene Abläufe unmittelbar nachvollziehen und die Reaktion seines Körpers auf Stress in Form von zum Beispiel erhöhter Schweißabsonderung oder dem Anstieg des Pulses am Computer als Änderung des Kurvenausschlags „live miterleben“.

Die unmittelbare Wahrnehmung dieser vormals meist unbewusst ablaufenden physiologischen Prozesse ermöglicht eine willentliche Einflussnahme (zum Beispiel durch Entspannungsübungen) auf diese körperlichen Stress-Reaktionen. Durch konsequentes Biofeedback-Training lernen die Patienten, Stresssymptome im Körper frühzeitig zu erkennen, diesen gezielt entgegenzuwirken und dadurch die eigene Gesundheit zu verbessern.

Anwendungsbereiche:

  • Angststörungen, Depressionen
  • Schlafstörungen
  • Posttraumatische Belastungsstörungen
  • Bluthochdruck
  • Migräne
  • Spannungskopfschmerz, Nackenschmerzen
  • Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsstörungen

Die Methode lässt sich mit Entspannungsverfahren wie dem autogenen Training, MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction) und Achtsamkeitstraining ideal kombinieren. Weil die Patienten eine sofortige Rückmeldung über den Erfolg der jeweils eingesetzten Technik erhalten, sind sie besonders motiviert, die Therapie fortzuführen. Langfristig sollte der Patient imstande sein, schwierige Situationen im Alltag auch ohne Hilfsgerät und ohne die Entwicklung von Beschwerden zu meistern.

Behandlungsdauer:

Die Behandlungsdauer ist je nach Symptomschwere variabel, in der Regel können bis zu sechs Einzelsitzungen den Patienten dazu befähigen, seine vegetativen Abläufe ohne Rückmeldung durch das Gerät eigenständig positiv zu beeinflussen.

Achtung!!!: Biofeedback ist eine komplementäre (= ergänzende) Therapie und ersetzt nicht die Behandlung durch einen Arzt. Lassen Sie in jedem Fall die Ursachen Ihrer Beschwerden zunächst medizinisch abklären.

Das Verfahren wird angeboten an den Standorten:

Agatharied
Garmisch-Partenkirchen
Landsberg am Lech
Peißenberg

Fotoquelle (Heaser): ©RFSIP/stock.adobe.com